Die Pressemitteilung als pdf.

VAKANZEN_TANZEN (11.-18. Juni).

Ein Institut im freien Fall…oder wie das OSI seine inhaltliche Vielfältigkeit zurückfordert! Auch wenn sich die Freie Universität Berlin als „exzellent“ versteht, ist die grundständige Lehre deshalb noch lange nicht gesichert. Deshalb haben Studierende vom 11.-18. Juni die Aktionswoche „Vakanzen_Tanzen“ initiiert. Gemeinsam mit renommierten Professor_innen wie G. C. Spivak, E. Altvater (u.a.) und weiteren externen Referent_innen und Wissenschaftlichen Mitarbeiter_innen bieten sie eine Woche lang alternative Lehrveranstaltungen an, in denen auf die fehlenden und unterbesetzten Lehr- und Forschungsbereiche hingewiesen wird. So soll ein Raum für konstruktive Lösungsansätze geschaffen werden. Das OSI als eines der größten politikwissenschaftlichen Institute Deutschlands war immer bekannt für sein breit gefächertes Grundlagenstudium. Seit ein paar Jahren nimmt diese Vielfältigkeit jedoch stark ab: In den theoretischen Grundlagenfächern „Politische Ideengeschichte“ und „Rechtliche Grundlagen“ fehlen die Vollprofessuren schon jetzt. Ein jahrelanger Kampf der Studierenden zur Wiedereinsetzung einer Ideengeschichts-Vollprofessur, die im Rahmen des Pflichtmoduls rechtlich zwingend ist, blieb bis jetzt ohne Erfolg. Die Methoden-Ausbildung sowie der Bereich Geschlechterforschung sind schlecht ausgestattet und ihre Zukunft ungewiss. Weitere Themenfelder, die im wissenschaftlichen Diskurs große Bedeutsamkeit haben, sind am Institut und in der Lehre kaum repräsentiert, wie etwa die Postkoloniale Theorie oder die Afrika-Lehre.
Mängel gibt es jedoch auch in anderen Bereichen der personellen Ausstattung. Zum Auftakt der Aktionswoche wurde am 10. Juni eine studentische Vollversammlung abgehalten. Dort der Wissenschaftliche Mitarbeiter Christof Mauersberger:

„Wir belegen jeweils eine halbe Stelle, gleichzeitig erwartet man aber von uns, dass wir Lehre anbieten, forschen, uns am Lehrstuhl einbringen und uns in der akademischen Selbstverwaltung engagieren, das ist ohne ständige Mehrarbeit nicht zu schaffen.“

Bei den Studierenden herrscht Betroffenheit, der akademische Mittelbau trägt den Großteil der Lehre, arbeitet aber unter unannehmbaren Bedingungen: nur 5 von 70 Lehrveranstaltungen am OSI können von zentralen Mitteln finanziert werden. Der Rest hängt von dem Wohlwollen der Kostenstellen ab. Aber auch die Lehrplanungsarbeit ist zunehmend von Kürzung und Ignoranz seitens der Institutsleitung bedroht. So wurden faktisch keine, der für die Lehrplanung notwendigen Stellen verlängert. Dazu Stefan Hernàdi, eine studentische Hilfskraft der Lehre:

„Wir sind entsetzt angesichts des organisatorischen Lehrplanungs-Desasters am OSI. Wir arbeiten ohne Gesamtkoordination, ohne Sekretariat, ohne Ansprechpartnerin und ohne detaillierte Arbeitsaufträge. Unter diesen Bedingungen gibt es keine Möglichkeit den Bedürfnissen des Instituts auch nur annähernd gerecht zu werden.“

Mit der Aktionswoche „Vakanzen_Tanzen“ soll nun auf diese Missstände aufmerksam gemacht werden. In den mehr als 30 Veranstaltungen – Vorträge, Diskussionen und Workshops – sollen zudem Perspektiven aufgezeigt werden, damit sich die Studierenden wieder mit ihrem Institut identifizieren können und die vielen Leerstühle bald wieder Lehrstühle sind.

Nicht nur Studierende des Otto-Suhr-Institutes, sondern auch alle anderen Interessierten sind herzlich eingeladen in der Woche vom 11. bis 18 Juni ihren Weg ans Otto-Suhr-Institut zu finden.

Was: Vakanzen_Tanzen – Aktionswoche
Wann: 11. – 18. Juni 2010
Wo: OSI Institut (FU Berlin), erreichbar mit der U3 Station: Thielplatz Ihnestraße 21 (Dahlem), besetzte Hörsäle A/B

Initiativkreis Vakanzen_Tanzen
Studentische Vertreter_innen des OSI-Institutsrats: Oliver Wolff, Moritz Altenried

Weitere Informationen: www.vakanzentanzen.blogsport.de

Kontakt:
Swetlana Hildebrandt, Tel.: 0177 52 134 16
Kathrin Herm, Tel.: 0162 10 540 26
E-mail: vakanzentanzen@gmx.de